
Sanierung Hammer 1, Aarau
Die Liegenschaft Hammer 1 in Aarau, im Besitz der Stadt, wurde 2024 umfassend saniert. Ursprünglich beherbergte das Gebäude seit den 1990er-Jahren den Italiener-Club «Comitato» mit Restaurant. Die Sanierung stand unter dem Zeichen des Erhalts der historischen Substanz, wobei grosser Wert darauf gelegt wurde, die bestehenden Materialien zu bewahren.
Aufgrund statischer und bautechnischer Erfordernisse wurden einige Deckenbereiche komplett ersetzt, wobei die historische Balkenlage geschickt genutzt wurde, um das neue Podest im Erdgeschoss zu gestalten. Diese Massnahme ermöglichte es, den ursprünglichen Charakter des Gebäudes beizubehalten und gleichzeitig den Anforderungen an eine moderne Nutzung gerecht zu werden.
Ein zentrales Element des Umbaus war die Neuplatzierung der Küche im Erdgeschoss, die nun zusammen mit einer Bar- und Buffet-Anlage optimal angeordnet ist. Diese Neugestaltung ermöglicht es, in den Sommermonaten Gäste auf dem Aussenplatz unter dem Kastanienbaum zu bedienen und so ein attraktives Ambiente zu schaffen. Das Innenrestaurant verbleibt in der bestehenden Fläche im Obergeschoss, wobei die früheren niedrigen Raumhöhen durch einen zweigeschossigen Luftraum geöffnet wurden, was den Räumen mehr Luftigkeit und Helligkeit verleiht.
Für die Sanierung wurden natürliche Baustoffe wie Kalk verwendet, die nicht nur den ökologischen Standards entsprechen, sondern auch eine angenehme, natürliche Atmosphäre im Gebäude erzeugen. Im 2. Obergeschoss und Dachgeschoss wurden die Böden erneuert sowie die Nasszellen und Küchen modernisiert, um den Bewohnern und Besuchern ein zeitgemässes Wohnerlebnis zu bieten.
Durch die behutsame Sanierung konnte der historische Charme der Liegenschaft bewahrt werden, während gleichzeitig moderne Annehmlichkeiten und nachhaltige Materialien integriert wurden.
Geschichte des Gebäudes:
"Die Liegenschaft Hammer 1 ist an ihrer Nordwestecke an das Zollhaus gebaut, dessen Kern ins 14. Jh. zurückreicht. Seine heutigen Ausmasse gehen ins 17. Jh. zurück (1727 neu errichtet), zumindest ist die heutige Disposition mit dem zurückversetzten Hammer 1 bereits im Stadtprosekt von Fisch von 1612 abgebildet. Die Liegenschaft Hammer 1 ist in das 16./ 17. Jh. einzuordnen. Hierfür sprechen der Gewölbekeller (1. UG) sowie die (zumindest an der Westfassade) mit Kunststein erneuerten Fenster mit Hohlkehlen. Auch an seiner Nordseite weist das 1. OG diese spätgotische Fensterform (Staffelfenster) auf, hier sind die Fensternischen mit sich nach aussen verjüngenden Fensterleibung und Segmentbogen diesem spätgotischen Bau zuzuweisen. Die Fenstergestaltung weist auf einen repräsentativen Raum (Stube/Saal) im nördlichen Bereich des 1. OG hin."
(Bericht Reto Bucher, Bereichsleiter Untersuchungen Mittelalter, Kantonsarchäologie)
"In der vergangenen Woche habe ich versucht, der Hammerschmiede im nach ihr benannten Hammerquartier auf die Spur zu kommen. Da dieselbe bereits um die Mitte des 16. Jh. ausser Betrieb kam, sind die einschlägigen Quellen spärlich und z.T. unpräzise. Dennoch glaube ich mit einiger Sicherheit aussagen zu können, dass sich die Hammerschmiede in einem nicht erhaltenen Gebäude östlich der Mühle befand. Aus den Quellen geht nämlich hervor, dass der Hammerschmied das Wasser, das von der Mühle kommt, nutzt – und der Stadtbach fliesst eben nach Osten weg. Das Gebäude am Hammer 1 bildete zusammen mit dem Haus Hammer 3 eine Einheit (mit einer Versicherungsnummer) und war vom Mittelalter bis 1853 in städtischem Besitz. Die Stadt gab den Mühlenkomplex an einen Lehenmüller gegen einen Zins heraus."
(Nachforschungen Raul Richner, Stadtarchivar)









